Angedacht: Glaube und Humor

Liebe Leserinnen und Leser!


Es ist Mittwochnachmittag. Konfirmandenunterricht. Wir sind gerade mitten im Thema, da fängt ein Junge an zu lachen und kriegt sich nicht mehr ein. Wenig später sehe ich auch den Grund dafür. Das Mädchen ihm gegenüber sitzt — ganz in Gedanken — mit beeindruckend verknoteten Beinen auf ihrem Stuhl. Der Junge versucht, es nachzumachen, und wenig später sitzt die fast die ganze Konfigruppe verknotet und lachend auf den Stühlen. Und ich kann nicht anders: ich muss mitlachen. An ernsthaften Unterricht ist an diesem Nachmittag nicht mehr zu denken. Lachen ist eben ansteckend. Manchmal überkommt es einen einfach. Dazu braucht es oft nicht einmal eine besonders komische Situation. Es reicht schon, wenn ein Erstklässler voller Inbrunst einen Erstklässlerwitz erzählt, den man noch aus der eigenen Kindheit kennt und sich dann vor Lachen nicht mehr einkriegt. Da muss man einfach mitlachen.
Ein bisschen ähnlich ist das mit dem Glauben. Der Glaube ist auch ansteckend. Zum Beispiel wenn man seit langem mal wieder eine der Glaubensgeschichten aus der Bibel hört, die man noch aus der Grundschule kennt. Kennen Sie die von Sarah, die lachen musste? Jahrzehntelang hatte sie vergeblich auf Nachwuchs gehofft — zusammen mit Abraham, ihrem Mann. Vermutlich hatte sie irgendwann aufgehört, die vielen kleinen Enttäuschungen zu zählen, und sich damit abgefunden, kinderlos zu bleiben. Die Hoffnung hatte sie zusammen mit der Enttäuschung irgendwo ganz hinten in der Schublade verstaut.

Als dann drei Männer zu Besuch kamen und Abraham verkündeten, dass er in einem Jahr einen Sohn haben werde, da platzte all aus ihr heraus. Sie konnte nicht anders: sie musste lachen. Es ist schwer, mit einem Wort zu beschreiben, was in diesem Lachen alles drinsteckte: Kopfschütteln über so viel Unkenntnis der weiblichen Biologie, Verbitterung, dass die alte Wunde noch einmal aufgerissen wurde, ungläubiges Staunen, wie man Gott im Ernst so etwas zutrauen konnte. Und vielleicht eine Spur Hoffnung: Wer weiß, vielleichtistja doch etwas dran. Als das Kind ein Jahr später zur Welt kam, nannten sie es Isaak, das bedeutet: „Gott hat gelacht." - über uns, weil wir ihm so wenig zugetraut haben. Gott hat gelacht, weil wir ernsthaft dachten, er hätte uns im Stich gelassen. Gottes Lachen hat Sarah und Abraham angesteckt. Sie konnten schließlich befreit über sich selbst lachen. Und dann haben sie ihre Geschichte weitererzählt — wie man einen guten Witz weitererzählt. Und andere haben sie auch weitererzählt, über Generationen hinweg — bis heute.
Vielleicht finden Sie ja auch eine Gelegenheit, diese Geschichte weiterzuerzählen und sich selbst oder andere damit anzustecken. Ich glaube, Gott will, dass wir lernen, über uns selbst zu lachen: weil wir ihm sowenig zutrauen, weil wir so oft denken, er hätte uns im Stich gelassen, wenn unsere Herzenswünsche nicht immer mit seinem großen Versprechen zusammenpassen: „Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt."
Im Vertrauen auf dieses Versprechen wünsche ich Ihnen einen fröhlichen Herbst,

Signatur-Clemens