Angedacht: Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser

Ein Mann geht in den Laden und möchte Milch kaufen. Doch das Kühlregal ist abgeschlossen. Die Verkäuferin rafft sich missmutig auf und holt eine Flasche Milch heraus. An der Kasse streiten sie sich, ob erst der Käufer die Milch oder die Verkäuferin das Geld bekommen soll. Schließlich einigen sie sich darauf, dass beide ihren Teil des Handels gleichzeitig auf die Ladentheke legen. Natürlich ist diese Szene völlig absurd. Sie zeigt aber gleichzeitig, dass das Leben ohne Vertrauen nicht funktionieren würde. Schon gar nicht das Zusammenleben in einer Gesellschaft oder in einer Familie. Erst neulich hat eine Studie herausgefunden, dass Kinder von „Helikoptereltern“, die immer und überall überwacht und begleitet werden, später schlechtere Chancen haben, ihren eigenen Weg zu gehen, weil sie nie gelernt haben, ihren eigenen Fähigkeiten und ihrer eigenen Wahrnehmung zu trauen. Auch eine Paarbeziehung ohne Vertrauen ist schwierig. Es kann nicht gut gehen, wenn andauernd einer den anderen kontrolliert.
Doch woher kommt das Vertrauen eigentlich? Man kann es ja nicht anknipsen wie eine Lampe oder im Internet nachbestellen, wenn es fehlt.
Ich glaube, Vertrauen ist immer ein mutiges Geschenk. Wer erfahren hat, dass jemand ihm Vertrauen schenkt, dass jemand es gewagt hat, sich ganz auf ihn zu einzulassen, der wird sich viel leichter tun, das auch auszuprobieren. Gott weiß, wie schwer wir uns damit tun. Gott weiß, dass wir instinktiv immer denken: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Deshalb hat Gott mit dem Vertrauen den Anfang gemacht: Er hat uns unser Leben und diese Welt anvertraut. „Ihr seid das Licht der Welt“, hat Jesus gesagt. Mit anderen Worten: „Ihr könnt die Welt zum Leuchten bringen, ich traue euch das zu, weil Gott seine Liebe in euch hinein gelegt hat.“ Mehr Vertrauen kann man eigentlich kaum in Menschen investieren.
Wenn Gott uns so viel Vertrauen entgegen bringt, warum sollten wir es nicht auch bei unseren Mitmenschen wagen: bei den Kindern, dem Partner, den Eltern, der Nachbarin, dem Wildfremden in der S-Bahn. Klar, theoretisch besteht das Risiko, dass unser Vertrauen enttäuscht wird und wir uns am Ende verletzt zurückziehen müssen. Aber ich glaube, das Wagnis lohnt sich trotzdem, denn wer wollte in einer Welt ohne Vertrauen leben?


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