Angedacht: Mut und Übermut

Liebe Leserinnen und Leser!


An einem Morgen im August 1888 brach eine Frau namens Berta Benz aus Mannheim zusammen mit ihren beiden Söhnen zu einer mutigen und denkwürdigen Autofahrt auf. Mit einer von ihrem Mann konstruierten Motorkutsche machte sie sich – ohne Wissen ihres Mannes – auf den Weg ins 80 Kilometer entfernte Pforzheim. So weit war nie zuvor jemand mit einem solchen stinkenden und knattern- den Automobil gefahren. Trotz einiger Pannen, die sie mit Hilfe von Strumpfband behob, erreichte sie am Abend erschöpft, aber glücklich ihr Reiseziel. Die Werbefahrt für die Erfindung ihres Mannes war geglückt. Der Mut, den sie aufgebracht hatte, hatte sich gelohnt.
Zum Autofahren braucht man im 21. Jahrhundert dank Airbags, Sensoren, elektronische Assistenten und nicht zuletzt dem ADAC keinen Mut mehr. Für das normale Leben außerhalb unserer hochgesicherten Fahrgastkabinen allerdings schon. Da müssen wir wie Berta Benz immer wieder Neuland betreten und Herausforderungen annehmen, deren Ausgang wir nicht ahnen können: wenn sich die Arbeit oder die familiäre Situation verändert, wenn neue Menschen in unser Leben hinein kommen oder ein wichtiger Mensch uns verlassen hat. Auch die gegenwärtige Corona-Krise fordert unseren Mut. Wenn wir lernen wollen, mit der neuen Situation zu leben, müssen wir den Mut auf bringen, persönlich und als Gesellschaft Neuland zu betreten — obwohl wir keine Ahnung haben, ob es wichtig ist, was wir da tun. Manche werden dabei übermütig, protestieren gegen alles und

jeden und schieben die Schuld für alles denen in die Schuhe, die Verantwortung übernehmen. Mutig ist das nicht. Eher ein feiges Festklammern an gewohnten Annehmlichkeiten.
Doch wie finden wir das richtige Maß an Mut zwischen Feigheit und Übermut? Petrus, einer der glühendsten Anhänger von Jesus, geriet einmal mit den anderen Jüngern im Boot in ein gefährliches Unwetter. Da kam ihnen aus der Ferne Jesus entgegen und sagte: „Seid getrost, ich bin‘s; fürchtet euch nicht!“: Jesus appellierte nicht an ihren Mut. Er forderte sie nicht heraus. Er sagte einfach nur: „Seid getrost, ich bin‘s“ Als Petrus das hörte, war ihm klar: Da spricht mich einer an, der das Leben weiter ausgelotet hat als irgendjemand sonst. Wenn wir das hören, ist uns klar: Jesus ist nicht nur bis in die tiefsten Tiefen hinunter gegangen — er hat an Ostern auch die Grenze des Todes durchbrochen. Wenn wir uns ihm anvertrauen , dann können wir uns mutig auch dem Leben anvertrauen — so ungewiss es auch sein mag. Petrus hat es getan. Mutig ist er auf dem Wasser Jesus entgegen—und nach ein paar Schritten untergegangen. Aber auch dann war Jesus neben ihm und hat ihn gehalten.
„Sei getrost, ich bin‘s.“: Das gilt nicht nur für Petrus. Bei der Taufe hat Gott das jedem von uns persönlich gesagt. Ich glaube, diese Zusage hilft uns, gerade auch in dieser schwierigen Zeit, das richtige Maß an Mut zu finden. Deshalb haben wir sie auf die Rückseite des Gemeindebriefs gedruckt. Schneiden Sie sie einfach aus und kleben sie an den Spiegel als Mutmacher für die kommende Zeit.

Signatur-Clemens