Angedacht

Liebe Mitchristinnen und Mitchristen in Deizisau,


wenn Sie diesen Gemeindebrief in Händen halten, liegt die Hälfte der Adventszeit schon hinter uns und Weihnachten steht vor der Tür. Um uns herum weihnachtet es ja schon sehr! Weihnachtsmärkte, Weihnachtsfeiern, Konsumtempel mit Weihnachtsartikeln und den bekanntesten Weihnachts- liedern.
Man kann sich dem Weihnachtstrubel ja nur schwer entziehen, und vielleicht reicht es dem einen oder der anderen von Ihnen ja mittlerweile schon. Dann doch lieber die Koffer packen und Weihnachten im österreichischen Schnee oder irgendwo in den Sonnengefilden dieser Erde verbringen. Die allein zuhause sitzen, würden sich vielleicht etwas vom allgegenwärtigen Weihnachtstrubel wünschen. Dass der Duft einer Bienenkerze vom Weihnachtsmarkt sich auch in ihrer Wohnung verströmt und ihr warmes Licht verbreitet und sie auf weihnachtliche Gedanken bringt! Da war doch was!? Was war da noch mal?
Was da noch mal war, das verbindet sich für viele mit den Advents- und Weihnachtsliedern. Sie sind inspiriert von der Geburt Jesu und all den Erwartungen und Hoffnungen, die sich damit verbinden. Viele dieser Lieder berühren Menschen, und so ist es auch in unserer Kirchengemeinde. Einige Kostproben davon bekommen Sie in diesem Gemeindebrief. Die Mitglieder des Redaktionsteams haben sich ein Weihnachtslied ausgesucht, das ihnen aus irgendeinem Grund etwas bedeutet. Daran wollen sie Sie gerne teilhaben lassen. Auch ich habe mir dazu ein paar Gedanken gemacht und möchte mit einem Adventslied einsteigen, das mir besonders aus dem Herzen spricht.
Dieses Lied ist ein einziger Bittgesang: Christus möge aus seiner himmlischen Herrlichkeit in unsere Welt herabkommen, und zwar jetzt und sofort und mit aller Macht:
“O Heiland, reiß die Himmel auf, herab, herab vom Himmel lauf, reiß ab vom Himmel Tor und Tür, reiß ab, wo Schloss und Riegel für (davor)”. Warum diese eindringliche Bitte? Ganz einfach deshalb, weil wir diesen Retter brauchen. In unserer Welt liegt soviel im Argen. In unserem Leben ist soviel Dunkelheit. Es braucht einen, der hier Abhilfe schafft. Und deshalb fährt das Lied fort mit der Bitte: “O klare Sonn, du schöner Stern, dich wollten wir anschauen gern; o Sonn, geh auf, ohn deinen Schein in Finsternis wir alle sein”. Nach dieser Sonne in der Finsternis unserer Welt sehnen wir uns; nach einem Heiland, der all die Probleme löst, die unsere Welt und auch der Einzelne hat. Diesen Traum zu träumen ist wunderbar. Und doch wird sich dieser Traum aller Wahrscheinlichkeit nach auch in diesem Jahr nicht erfüllen. Viele unserer Probleme werden uns über die Weihnachtszeit hinaus begleiten, manche unserer persönlichen Probleme, aber auch der Klimawandel, die Veränderungen von Wirtschaft und Gesellschaft infolge der Digitalisierung, die auch vor unserem Alltag nicht halt machen. All das kann Angst machen, und macht es ja auch. Wo sonst käme all der Hass her, der unsere Gesell- schaft zunehmend vergiftet.
Und genau da kommt für mich das Lied ins Spiel. Es hilft meiner Seelen- hygiene. Wer auf all die selbsternann- ten Retter und Retterinnen dieser Welt blickt, kann schon mal den Depri kriegen. Ohne irgendwelche Probleme zu leugnen, brauchen wir einen Blickwechsel. Er hilft uns, die eigene Seele von Ängsten zu entgiften und hoffnungsfroh zu werden - hoffnungsfroh für uns selbst und unsere Welt. Und genau für diesen Blickwechsel brauche ich das Lied: “O klare Sonn, du schöner Stern, dich wollten wir anschauen gern; o Sonn, geh auf, ohn deinen Schein in Finsternis wir alle sein”. Mit diesem Licht kommt der Heiland zu uns. Das ist Weihnachten!
In diesem Sinn: Frohe Weihnachten!

Signatur-Clemens