An(ge)dacht: An(ge)dacht: Dein Haus, dein Auto, mein Gott

Liebe Leserinnen und Leser!


Fast zwei Tage haben sie auf diesen Moment gewartet, die 10000 Leute in der Münchner Olympiahalle. Vermutlich haben sie eine Menge Geld für das Motivationsseminar liegen lassen, das den verheißungsvollen Namen „Power Weekend“ trägt. Sie haben gewöhnungsbedürftige Übungen mitgemacht und sich die effektvoll inszenierten Lebensregeln eines durchtrainierten Mittfünfzigers angehört, die manchmal ein wenig banal klangen. Aber das was ihnen das Versprechen wert: Erlösung von der ewigen Schwächelei und Bedenkenträgerei undurchstarten zum Erfolg. Dann endlich, nach langem Warten und kunstvoll aufgebauter Spannung, kommt er auf die Bühne — er, zu dem sie alle aufsehen, weil er es geschafft hat: Arnold Schwarzenegger im Anzug und Cowboystiefeln. Eigentlich erzählt er nur von seiner eigenen Erfolgsgeschichte: vom Bodybuilder zum Gouverneur. Und dann lässt er die 10000 mit der Einsicht zurück: „Dafür muss man hart arbeiten. Und im Zweifel etwas weniger schlafen.“ Was bleibt, ist die (nicht ganz so neue) Erkenntnis, dass man mit seinem Schicksal allein und damit auch für die Erlösung letztendlich doch selbst verantwortlich ist.
Fast vier Wochen warten wir auf diesen Moment. Lassen eine Menge Geld für Kerzen, Tannenzweige, Sterne, Lametta und Glühwein liegen.

Hören gewöhnungsbedürftige Musik im Radio, im Kaufhaus und auf Weihnachtsmärkten („Last Christmas...“) und lassen uns ein wenig mitreißen von der weihnachtlichfriedlichen Stimmung, die in der Luft liegt, vielleicht auch von der biblischen Ankündigung: „Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht!“ (Lukas 21,28). Und dann, endlich, kommt sie, die Erlösung: Das Kind, in Windeln gewickelt, in einer Krippe. Was für ein Kontrast: die Münchner Olympiahalle und der Bethlehemer Stall. Aber der eigentliche Kontrast kommt erst zum Vorschein, wenn alles vorbei ist: Das Kind lässt uns mit unserem Schicksal nicht im Regen stehen. Es überlasst die Sache mit der Erlösung nicht uns. Das kann es gar nicht, denn es ist ja selbst die Erlösung: Es ist Gottes Liebe in Person, die uns sagt: Du bist nicht allein mit deinem Schicksal. Gott kommt genau dorthin, wo du bist und lebst. Er kommt dorthin, wo du spürst, dass deine Seele oder dein Körper schwächelt. Er kommt dorthin, wo du Angst hast, was aus deinem Leben noch werden könnte. Aber er kommt nicht mit Durchhalteparolen, sondern mit seiner Liebe. Er liebt dich genau dort, wo du dich selbst nicht lieben und aus dem Sumpf ziehen oder zu neuen Wagnissen motivieren kannst. „Ich bin ja da!“ - das ist seine Erlösungsbotschaft. Möge in diesem Advent etwas von dieser Botschaft bei Ihnen hängen bleiben.

Eine selige Adventszeit und frohe Weihnachten wünscht Ihnen

Signatur-Clemens