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Newsletter zum Reformationsjahr

Zurück zu den Wurzeln – das war ein wichtiger Grundsatz, der Martin Luther und andere Kirchenleute dazu bewog, vor 500 Jahren die Kirche zu reformieren. Manches von dem, was damals gedacht und geschrieben wurde, ist auch für Menschen im 21. Jahrhundert noch von Bedeutung und kann helfen, Halt, Orientierung und Perspektiven zu finden.

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vergnügt - erlöst - befreit - Newsletter

  • add Newsletter zum Reformationsjahr, Folge 14 (17.10.2017)

    vergnügt.erlöst.befreit

    Die Geschichte …

    Der von Krankheiten gezeichnete Luther bricht am 17. Januar 1546 zur letzten Reise seines Lebens in seine Geburtsstadt Eisleben auf, um dort Erbstreitigkeiten in der Mansfelder Grafenfamilie zu schlichten. Die Verhandlungen enden erfolgreich.

    Luther hat aber nicht mehr die Kraft nach Wittenberg zurückzukehren. Er stirbt am 18. Februar 1546 in Eisleben.

    Am 22. Februar 1546 wird er in der Schlosskirche zu Wittenberg beigesetzt.

     

    … und ich

    Auf den Tag genau 468 Jahre nach Luthers Tod, am 18. Februar 2014, durfte ich für eine 25-jährige Holländerin ein "Apfelbäumchen" pflanzen, nämlich Stammzellen spenden, um sie von ihrer Leukämie zu heilen. 

    Ich habe das Apfelbäumchen gedüngt und gegossen als ich ein halbes Jahr danach noch Leukozyten für die Patientin spendete.

    Die holländischen Bestimmungen sagen, dass eine persönliche Begegnung zwischen Spender und Empfänger nicht möglich ist. Der Spender darf einen Brief schreiben, der anonymisiert wird.

    Ich habe diesen Brief nicht geschrieben. Was schreibt man in einen Brief?

    "Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute mein Apfelbäumchen pflanzen!" soll Luther gesagt haben.

    Sterbenskrank schlichtete er die Erbstreitigkeiten der Mansfelder Grafenfamilie.

    Was ist der Weltuntergang? Das kann für jeden etwas anderes sein.

    Für die Mansfelder war es vielleicht die Frage um das Erbe, für Andere ist es der Tod eines geliebten Menschen.

    Für die holländische Familie habe ich ein Apfelbäumchen gepflanzt und gedüngt. 

    Vor einigen Tagen bekam ich die Nachricht, dass "meine" Patientin gestorben ist.

    Auch wenn ich nicht weiß, ob für mich morgen die Welt untergeht, ich würde wieder ein Apfelbäumchen pflanzen!

    Klaus Hannig

  • add Newsletter zum Reformationsjahr, Folge 13 (18.09.2017)

    vergnügt.erlöst.befreit 

     

    Die Geschichte …

    1530: 13 Jahre nach Luthers Thesenanschlag steht die Reformation in Deutschland noch immer auf rechtlich unsicherem Boden. Für Martin Luther gilt noch immer die Reichsacht. Als Kaiser Karl V. zum Reichstag nach Augsburg einlädt, beauftragt Kurfürst Johann von Sachsen Luthers Mitstreiter Philipp Melanchthon, eine Verteidigungsschrift für die Reformation zu verfassen: Das Augsburger Bekenntnis. Mit dieser Schrift sollte eigentlich eine Einigung mit den Katholiken erzielt werden. Jedoch waren nicht einmal alle Anhänger der Reformation damit einverstanden. Am Ende müssen die Evangelischen den Reichstag verlassen, ohne dass eine Einigung erreicht wird. Rechtlich gesehen bleibt also zunächst alles wie bisher: Luther bleibt verbannt und der evangelische Glaube ohne rechtliche Anerkennung. Dennoch wird das Augsburger Bekenntnis zu einem wichtigen Grundlagentext für alle lutherischen Kirchen und ist bis heute verbindlich.

     

    … und ich

    Wissen Sie schon, bei welcher Partei Sie am kommenden Sonntag Ihr Kreuz setzen werden? Ende August waren offenbar die Hälfte aller Wahlberechtigten noch unentschlossen, wem sie ihre Stimme und damit auch ihr Vertrauen schenken sollten. Es ist ja auch so eine Sache mit dem Vertrauen. Wer sich einer Partei oder auch einem einzelnen Menschen anvertraut, der möchte nicht enttäuscht, sondern ernst genommen werden mit seinen Bedürfnissen, seiner Lebenssituation und seiner Persönlichkeit. Das Problem ist: Das lässt sich im Voraus nicht garantieren. Wer Vertrauen investiert, geht immer ein gewisses Risiko ein, enttäuscht zu werden. In diesem Punkt unterscheidet sich eine politische Wahl kaum von der Wahl eines Lebenspartners. Das will sorgfältig überlegt und abgewogen sein.

    Hoffentlich streiten die Parteien und ihre Kandidaten in den kommenden Tagen noch kräftig miteinander, damit die Wählerinnen und Wähler eine Chance haben, zu erkennen, wer ihr Vertrauen verdient hat.

    Etwas anders ist das beim Glauben: Da haben wir nicht die Wahl. Es gibt ja nur einen Gott, dem wir unser Leben anvertrauen können. Allerdings ist man auch da nicht vor Enttäuschungen sicher. Immer wieder erleben Menschen dass sich die Hoffnungen, die sie in Gott gesetzt haben, nicht erfüllen. Leider denken viele, das liege daran, dass sie falsch oder nicht genügend an Gott glauben. Deswegen haben die Menschen schon zu allen Zeiten darüber gestritten, wie man richtig an Gott glaubt. Zur Zeit der Reformation stritten und diskutierten die Christen unter sich. Heute müsste die Diskussion eigentlich zwischen den Religionen ausgetragen werden. In unserem Land müssten Christen und Muslime regelmäßig miteinander ins Gespräch kommen und gemeinsam darum ringen, wie man das Vertrauen in den einen Gott in dieser Welt am besten leben kann.

    Wie 1530 in Augsburg würden dabei am Ende sicher nicht alle ein gemeinsames Konsenspapier unterzeichnen. Aber vielleicht würden sie miteinander herausfinden, was Dietrich Bonhoeffer einmal aufgeschrieben hat: „Gott erfüllt nicht all unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen.“ Das würde dem politischen und religiösen Frieden in unserem Land und in der Welt sicher gut tun.

    Clemens Grauer

  • add Newsletter zum Reformationsjahr, Folge 12 (06.07.2017)

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    Die Geschichte …

    1529: So einig sich die Anhänger von Martin Luthers reformatorischem Gedankengut darüber waren, dass Gottes Liebe ein Geschenk ist, das kein Mensch sich durch gute Taten verdienen kann, so sehr stritten sie sich darüber, was eigentlich beim Abendmahl passiert:

    Martin Luther ging fest davon aus: Jesus Christus ist anwesend, wenn Christinnen und Christen miteinander Abendmahl feiern. Anders als die katholische Lehre, die davon ausging, dass Christus in Brot und Wein verkörpert ist, vertrat Luther die Auffassung, man könne nicht so genau sagen, wie, aber Christus sei irgendwie „in, mit und unter Brot und Wein“ anwesend. Ganz anders sah das der Schweizer Reformator Ulrich Zwingli. Für ihn war klar: Brot und Wein beim Abendmahl sind nur Erinnerungszeichen an Jesus Christus.

    Dieser Streit war Mitauslöser für die Spaltung der protestantischen Christen in Lutherische und Reformierte.

     

    und ich

    Wie merke ich eigentlich etwas davon, dass Gott da ist? Diese Frage stellen sich viele Christen. Und sie ist nicht leicht zu beantworten. Erfahrungen mit Gott sind nämlich immer sehr persönliche Erfahrungen. Ich musste einige Jahre lang immer sonntagmorgens mit dem Auto ins Nachbardorf zum Gottesdienst fahren. Dabei kam ich immer wieder an einem älteren Ehepaar vorbei, die ein Kreuz am Straßenrand mit frischen Blumen schmückten und Kerzen anzündeten. Ich wusste nicht wo sie herkamen. Ich vermutete nur, dass sie offenbar an dieser Stelle ihren Sohn durch einen Autounfall verloren hatten. Es tat weh, zu sehen, wie sie auch nach vielen Jahren noch immer wieder an diesen Ort kamen. Es war an einem Ostersonntagmorgen. Ein regnerischer Tag. Wie immer fuhr ich zum Gottesdienst. Da blitzte auf einmal die Sonne durch die Wolken, und ein schöner Regenbogen stand genau über der Straße, an der ich auch an diesem Morgen das ältere Ehepaar entdeckte. „Das ist bestimmt für euch“, dachte ich in diesem Moment. Ob die beiden in diesem Moment Gottes Nähe spüren konnten, weiß ich nicht - für mich war es eine Erfahrung mit Gott. Ähnlich ist es, glaube ich, wenn wir in unserer Kirche das Abendmahl feiern: Ich glaube fest, dass man dabei Gottes Nähe und Gottes Liebe spüren kann. Aber eben vielleicht nicht immer und schon gar nicht auf Knopfdruck. Vielleicht aber genau dann, wenn man gar nicht damit rechnet.

     

    Clemens Grauer

  • add Newsletter zum Reformationsjahr, Folge 11 (03.06.2017)

    vergnügt.erlöst.befreit  

    Newsletter zum Reformationsjahr, Folge 11 (03.06.2017)

     

    Die Geschichte …

    1525

    Martin Luther heiratet Katharina von Bora. Katharina von Bora hatte bereits mit 16 Jahren ihr Gelübde als Nonne abgelegt. Acht Jahre später verließ sie ihr Kloster mittellos und ohne irgendeine Perspektive. Eine Weile wohnte sie im Haus des Malers Lucas Cranach in Wittenberg. Dort begegnete sie Martin Luther, und nach verschiedenen gescheiterten Versuchen beider, einen Ehepartner zu finden, entschlossen sie sich zur Heirat. Sie zogen in das ehemalige Wittenberger Augustinerkloster ein. Im Laufe der Jahre wurde ihnen sechs Kinder geschenkt. Nur vier davon erreichten das Erwachsenenalter.

     

    … und ich

    Manchmal kommt es anders und zweitens als man denkt… Das Leben ist immer wieder voller Überraschungen. Immer wieder passieren uns Dinge, die wir uns nie hätten träumen lassen – manchmal leider auch Dinge, die wir uns nie freiwillig ausgesucht hätten. Meist sind das kleine Episoden mitten im Alltag. Manchmal aber sind es – wie bei Martin Luther und Katharina von Bora – auch große Wendepunkte, bei denen nicht immer gleich klar ist, wie es weitergeht. Ich glaube, solche Überraschungen gehören zum Leben dazu. Ein Leben ohne Überraschungen wäre kein Leben, sondern eher eine Art Computerprogramm. Ich glaube, Gott will für uns Menschen ein Leben, das wirklich lebendig ist – mit allen Chancen und Gefahren, mit allen Höhen und Tiefen. Ich glaube auch, dass Gott uns so ein Leben zutraut. Aber Gott weiß, dass wir ihn und seine Liebe dafür immer wieder brauchen. Katharina von Bora wusste das auch. Deshalb ließ sie als Geschenk für ihren Mann am Eingang des ehemaligen Wittenberger Klosters einen alten Psalmvers anbringen: „Der Herr segne dich und behüte dich. Er behüte deine Seele. Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit.“ (Psalm 121)

    Vielleicht wäre das ja auch etwas für Ihre Haustür, damit Sie regelmäßig dran erinnert werden: Manchmal kommt es anders und zweitens als man denkt… und drittens mit Gottes Segen.

     

    Clemens Grauer

  • add Newsletter zum Reformationsjahr, Folge 10 (17.05.2017)

    vergnügt.erlöst.befreit 

    Die Geschichte …

    März 1525:

    In Memmingen treffen sich etwa 50 Vertreter oberschwäbischer Bauerngruppen und formulieren „Zwölf Artikel“, in denen sie für die von ihnen vertretenen Bauern Freiheits- und Menschenrechte einfordern. Sie protestieren unter anderem gegen die Leibeigenschaft und begründen dies mit einer wichtigen Erkenntnis der Reformatoren: „…dass uns Christus alle mit seinem kostbarlichen Blutvergießen erlöst und erkauft hat, den Hirten gleich wie den Höchsten, keinen ausgenommen. Darum erfindet sich mit der Schrift, dass wir frei sind und sein wollen.“

    Als die Bauern ihrem Protest mit Gewalt Nachdruck verleihen, schlägt Martin Luther sich dennoch auf die Seite der angefeindeten Fürsten und veröffentlich eine Schrift „wider die mörderischen und räuberischen Rotten der Bauern.“

     

    … und ich

    Vor Gott sind alle Menschen gleich.“ Dieser Grundsatz, den die Bauern vor fast 500 Jahren formuliert haben, klingt heute nicht mehr revolutionär. Er ist zu einer Selbstverständlichkeit geworden, die fast jeder unterschreiben kann – und die jeder unterschreiben muss, der politische oder gesellschaftliche Verantwortung übernehmen will.

    Allerdings: In der Umsetzung dieses Grundsatzes sind wir offenbar nach 500 Jahren immer noch Anfänger: Mehr oder weniger stillschweigend nehmen wir hin, dass Kinder aus Familien mit wenig Einkommen oder mit Migrationshintergrund deutlich schlechtere Bildungschancen haben als andere. Wir leisten uns im reichen Nordeuropa einen pro-Kopf-Energieverbrauch, der – würde ihn weltweit jeder Mensch für sich beanspruchen – das globale Klima schon längst in die Knie gezwungen hätte. Wir unterstützen mit fast jedem Einkauf ein Weltwirtschaftssystem, das nur funktioniert, weil Menschen in Asien und Afrika die Rechnung dafür bezahlen und ihrer Freiheit beraubt werden.

    Vor Gott sind alle Menschen gleich.“ Wer diesen Satz ernsthaft unterschreibt, stellt sich einer unbequemen, revolutionären Aufgabe: für Freiheit und Gleichheit einzustehen, auch wenn er dabei gegen Mauern und Windmühlen anrennen und mit Kopfschütteln, Anfeindungen und Rückschlägen rechnen muss. Aber ich glaube, das ist es wert. Schließlich hat sich Gott unsere Freiheit auch eine Menge kosten lassen.  

     

    Clemens Grauer

  • add Newsletter zum Reformationsjahr, Folge 8 (Ostern 2017)

    vergnügt.erlöst.befreit

    Die Geschichte …

    1521-1522::Luther wird auf der Wartburg vor der Verfolgung versteckt („Junker Jörg“) und übersetzt dort das Neue Testament, das Septembertestament genannt wird. In Wittenberg finden erste praktische Reformen statt. Abschaffung von Zölibat, Messgottesdienst und Bilderverehrung. Dies verursacht teilweise tumultartige Zustände. Johannes Brenz wird als Anhänger Luthers nach Schwäbisch Hall berufen.

     

    und ich

     

    "Die Bibel muss vom Lesebuch zum Lebensbuch werden", wird Peter Hahne zitiert. Wie gut, dass die Bibel für mich auch ohne Lateinkenntnisse gut lesbar ist. Aber ist sie das wirklich? Es ist zwar nicht Latein, doch wie oft kommt mir das spanisch vor, was ich lese - und wie oft reibe ich mich an dem einen oder andere Bibelvers. "Was willst Du mir damit sagen?" denke ich immer wieder. Da helfen mir die verschiedenen Übersetzungen, die uns heute zugänglich sind, mich dem anzunähern: Luther 2017, Gute Nachricht, Basisbibel, Volxbibel - um nur einige zu nennen. Sei es in Papierform, oder als App auf meinem Smartphone. Was wohl Martin Luther dazu sagen würde, wenn er wüsste, wie verbreitet die Bibel heute ist? Ich meine, das Zitat von Peter Hahne hätte auch von Martin Luther sein können.

    Jens Lampart

  • add Newsletter zum Reformationsjahr, Folge 7 (06.03.2017)

    vergnügt.erlöst.befreit

    Die Geschichte …

    1520: Drei wichtige Bücher von Martin Luther werden veröffentlicht, in denen er sich mit zentralen Fragen der Kirche und des christlichen Glaubens auseinandersetzt:

    ·         Wer hat das letzte Wort bei der Auslegung der Bibel?

    ·         Müssen wir Gutes tun, um Gott zu gefallen?

    ·         Wem muss ein gläubiger Mensch gehorchen? Dem Papst? Dem Bischof? Dem Kaiser? Den Fürsten?

    ·         Wodurch wird ein Mensch frei?

     

    und ich

    „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“

    In diesem kurzen Doppelsatz hat Martin Luther sein Verständnis von der christlichen Freiheit zusammengefasst. Freiheit ist für Luther nicht die Freiheit des Ich, tun und lassen zu können, was es gerade so will. Freiheit ist für ihn nicht zuletzt die Freiheit von sich selbst. Das ist heute geradezu eine Verheißung: frei zu sein vom eigenen Ich, das oft unbarmherzige Ansprüche an sich stellt und sich unter unglaublichen Druck setzt.

    Ein „freier Herr“ ist so einer, der nicht nur frei ist von den Herrschaftsansprüchen von Menschen, Institutionen und Ideologien, sondern auch und gerade frei ist von sich selbst. Befreit von sich selbst, ist das Ich frei zu neuen Beziehungen. Insofern ist es dann – etwas altmodisch ausgedrückt – ein „dienstbarer Knecht aller“.

    Wir heute würden hier von der Nächstenliebe sprechen, die nichts für sich will, sondern alles für den Nächsten. Unsere Welt, unser Ort, unsere Familien würden anders aussehen, wenn wir uns vom alten Luther an die christlich verstandene Freiheit erinnern lassen würden.

     

    Gudrun Holtz

  • add Newsletter zum Reformationsjahr, Folge 6 (19.02.2017)

    vergnügt.erlöst.befreit

    Die Geschichte …

    April 1518: Auf Anordnung der Kirchenleitung muss Martin Luther bei einem wissenschaftlichen Streitgespräch an der Heidelberger Universität seine Thesen verteidigen. Luther geht aber nicht wie erwartet auf den Ablasshandel ein. Stattdessen spricht er über ein Thema, das ihm viel wichtiger ist: die Frage, wie der Mensch vor Gott "gerecht" wird. Luther ist überzeugt, dass dies nicht durch gute Werke, sondern allein durch den Glauben an Gott erreicht werden kann. Viele der Zuhörer bei diesem Streitgespräch verbreiteten anschließend Luthers Gedanken im Süddeutschen Raum weit

     

    und ich

    Langeweile. Jeder weiß, wie sich das anfühlt. Lange, verregnete Sonntagnachmittage passen zu diesem Gefühl ebenso wie scheinbar endlose Unterrichtsstunden oder Bahnfahrten oder belanglose Talkshows. Auf den ersten Blick scheint die Langeweile ein überflüssiges, lästiges Gefühl zu sein, das man am besten gar nicht aufkommen lässt. Im Zeitalter des Smartphones lässt sie sich ganz leicht unterdrücken. Ein Wisch über das Display - und schon sind die Augen und die Gedanken von der Langeweile abgelenkt. Schade eigentlich. Denn Langeweile ist ein wichtiges Gefühl: Sie zwingt uns dazu, über uns selbst nachzudenken. Und sie lässt uns spüren, was Martin Luther in Heidelberg mühsam wissenschaftlich verteidigen musste: Wir haben unser Lebensrecht nicht, weil wir ständig mit irgendetwas beschäftigt sind. Wir haben  unser Lebensrecht einfach so. Weil Gott es uns schenkt. Wie wär's, wenn Sie diesen Gedanken beim nächsten Anflug von Langeweile einfach mal genießen und das Handy in der Tasche lassen?

    Clemens Grauer


  • add Newsletter zum Reformationsjahr, Folge 5 (22.01.2017)

    vergnügt.erlöst.befreit

     

    Die Geschichte …

    31. Oktober 1517: „Thesenanschlag“: Missbräuche beim Ablass, z.B. der geschäftsmäßige Handel mit Ablassbriefen, mit denen angeblich Sündenstrafen nach dem Tod reduziert werden sollten, aber auch seine Erfahrungen als Beichtvater bringen Martin Luther dazu, seine kirchenkritische Position in 95 Thesen zu veröffentlichen. Ob dies tatsächlich durch Hammerschläge an der Schlosskirche in Wittenberg geschah, ist umstritten.

     

    und ich

    Keinen Streit, sondern nur ein Streitgespräch, eine Disputation wollte Martin Luther mit seinen 95 Thesen anregen. Über die Erkenntnisse aus seinem Bibelstudium mit anderen ins Gespräch kommen. Dabei auch die eigene Meinung in Frage stellen lassen und vielleicht auch revidieren müssen – „durch das Zeugnis der Schrift oder durch Vernunftgründe“, so Luther vor dem Reichstag in Worms.
    Über die Bibel, der guten Nachricht von der Nähe Gottes, miteinander ins Gespräch kommen. Nicht im Streit, aber im gemeinsamen Suchen nach einem guten Weg im Glauben und im Leben hier und jetzt. Und dabei erstaunt feststellen können, es ist schon alles gesagt: über den Ablasshandel – damals Luthers Hauptkritikpunkt -, über den Klimaschutz, über die Flüchtlinge, über die ungerechte Verteilung der Lebensmöglichkeiten, über unsere eigenen Verstrickungen in Neid und Egoismus … Und, dass wir von Gott  angenommen sind, wie wir sind – allein aus Gnade. Das von Luther (und anderen) angeregte Gespräch über die Bibel hat letztlich doch viel Streit verursacht und ist für schlimme Kriege missbraucht worden. Ich denke, ein Grund mehr, über die Bibel im Gespräch zu sein. Dabei aber die eignen Erkenntnisse nicht zum Maß alle Dinge zu machen.

    Johannes Kress

  • add Newsletter zum Reformationsjahr, Folge 4 (1.1.2017)

    vergnügt.erlöst.befreit  

    Die Geschichte …

    10. November 1483: Martin Luther wird in Eisleben geboren. Er lebt dort nur für ein paar Wochen. Seine Eltern (Margarete und Hans Luther) sind auf der Durchreise nach Mansfeld, wo sein Vater eine berufliche Laufbahn im Kupferbergbau beginnen will.

     

    … und ich

    Erstaunlich, was aus einem Säugling, einer Handvoll Mensch, so alles werden kann: Künstler, Entdecker, Unternehmer, Politiker, Revolutionäre – und auch du und ich. All die Menschen, die in Geschichte und Gegenwart diese Welt, die Menschheit und die Menschlichkeit ein Stück voran gebracht oder auch um Jahrhunderte zurückgeworfen haben – sie waren einst nicht mehr als so eine Handvoll Mensch, in den Gott unendlich viele Lebensmöglichkeiten hinein gelegt hat: Unendlich viel Gutes, das sich entfalten kann, wenn der Spielraum dafür vorhanden ist: Die Freiheit, selbst über das eigene Handeln zu entscheiden – im Zweifel leider auch gegen das Gute. Die Fähigkeit, die Welt zu gestalten, Verantwortung für sich selbst und andere zu übernehmen, zu lieben und über sich selbst nachzudenken. Vielleicht war es diese Fülle an Möglichkeiten, die Martin Luther zu seinem berühmten Zitat anregte: „Wenn du ein Kind siehst, begegnest du Gott auf frischer Tat.“

    Vielleicht war es auch die Erkenntnis: Das Kind, das ich selbst einmal war, gibt es noch immer. Auch wenn ich schon längst erwachsen bin, mein Leben schon längst eine bestimmte Richtung eingeschlagen hat: all das Gute, das Gott in mich hineingelegt hat, ist noch immer da. Noch immer gibt es unendlich vieles in mir, das sich entfalten kann, das ich selbst oder andere an mir entdecken können.

    Der Start ins neue Jahr könnte ja eine Gelegenheit sein, das eine oder andere davon auszuprobieren.

     

    Aktuelles

    „vergnügt.erlöst.befreit.“ – Unter diesem Motto startet am 25. Januar unsere Aktion „Bibel tut gut“. Eine gute Gelegenheit, in der Bibel und im Gespräch mit anderen mehr über Gott und sich selbst herauszufinden.

    Nähere Infos, Termine und Anmeldung: www.deizisau-evangelisch.de/erwachsene/30-tage-gemeinsam-bibel-lesen/

  • add Newsletter zum Reformationsjahr, Folge 3 (11.12.2016)

    vergnügt.erlöst.befreit  

    Die Geschichte …

    1450: in Mainz erfindet Johannes Gutenberg den Buchdruck mit beweglichen Lettern und ermöglichte so die schnelle Produktion von Büchern in hohen Auflagen. In Europa löste er damit eine Medien-Revolution aus und legte damit gleichzeitig den technischen Grundstein für die rasche Verbreitung der reformatorischen Schriften.

     

    … und ich

    Gedruckte Texte sind nicht mehr wegzudenken. Wir werden überschwemmt von Broschüren, Flyern, Werbung; dazu von E-mails. Ohne Zeitverzögerung erreichen uns Informationen vom anderen Ende der Welt.

    Das ist wunderbar und erschreckend zugleich.

    Ist wirklich immer noch „höher – schneller – weiter“ unser Ziel?

    Mir scheint heutzutage eine Ent-schleunigung wichtig. Besinnung auf das Wesentliche im Leben, auf Werte, auf Beziehungen, auf Gott, braucht Zeit, braucht Ruhe, braucht eine Atempause im Alltag.

    Unser Glaube krankt nicht an mangelnder Verbreitung der Bibel, sondern an mangelnder Bereitschaft, sich damit zu beschäftigen.

    Darum sollten wir ruhig mal einen Stapel Werbung oder E-mails ungelesen wegschmeißen und die gewonnene Zeit für gute Gedanken und tiefergehende Gespräche nutzen!

     

    Petra Lange

  • add Newsletter zum Reformationsjahr, Folge 2 (20.11.2016)

    vergnügt.erlöst.befreit  

    Die Geschichte …

    1370: im englischen Oxford drängt der Theologieprofessor John Wyclif auf eine Reform der Kirche. Er gibt eine englische Bibelübersetzung heraus und macht erste Versuche, den politischen Machtanspruch des Papstes zu hinterfragen. und übersetzt die Bibel ins Englische. Ausgehend von dem Grundsatz „Macht allein durch Gnade“ sagt er: Jede menschliche Autorität ist von Gott selbst aus reiner Gnade verliehen worden. 30 Jahre nach seinem Tod im Jahr 1384 wird er zum Ketzer erklärt.

     

    … und ich

    „Macht allein durch Gottes Gnade“ - Dieser Grundsatz hat auf den ersten Blick in einer parlamentarischen Demokratie wie der unseren nichts zu suchen. „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus“ steht in Artikel 20 des Grundgesetzes. Durch Wahlen wird diese Macht dann an Parteien bzw. konkrete Personen übertragen. Und das sicher nicht aus Gnade, sondern aus der Überzeugung heraus, dass der oder die Gewählte die Interessen des Einzelnen und der Gesellschaft gut vertreten kann.

    Trotzdem ist etwas dran an dem Gedanken, dass Macht auf Gnade angewiesen ist. Keine Bundeskanzlerin, kein Minister, kein Vorstandsvorsitzender, ja nicht einmal der amerikanische Präsident (weder der scheidende noch der designierte) kann davon ausgehen, so viel Sachkenntnis und Weisheit, Weitsicht, Mut und Unbefangenheit zu besitzen, dass er oder sie vor Fehlentscheidungen vollständig gefeit ist.

    Die Einsicht, dass es vor allem der Gnade Gottes zu verdanken ist, wenn mächtige Menschen kluge Entscheidungen treffen, kann sowohl den Gewählten als auch den Wählern ab und zu den Kopf zurechtrücken. Sie macht Mut, die Gewählten ab und zu ins Gebet einzuschließen. Und sie lässt hoffen!

     

    Clemens Grauer

  • add Newsletter zum Reformationsjahr, Folge 1 (31.10.2016)

    vergnügt.erlöst.befreit  

    Die Geschichte …

    Im Jahr 1180 lässt Petrus Waldes, ein reicher Kaufmann aus Lyon, die Bibel in die Volkssprache übersetzen. Er begründet die vorreformatorische Bewegungen der Waldenser, deren Tradition bis heute in Württemberg lebendig ist. Zu seinem „Programm“ gehörte, neben der Fürsorge für die Armen, dass jeder Christ die Bibel lesen kann und soll. Außerdem vertrat Waldes die Ansicht, dass jeder mit seinem Glauben und Gewissen sich selbst vor Gott zu verantworten hat.

     

    … und ich

    Trotz elektrischer Beleuchtung, ja sogar mitten im schönsten Sonnenschein kann der Alltag finster sein. Ohne Hoffnung. Lieblos. Eintönig. Voller Sorge oder Angst. Im Wappen der Waldenser steht ein Satz aus dem Johannesevangelium: „Das Licht leuchtet in der Finsternis“ (Johannes 1,5) Dahinter steht die feste Zuversicht, dass Gott mit seiner Liebe und seinem Licht immer genau dort hinkommt, wo wir uns selbst oder unser Leben am wenigsten ausstehen oder aushalten können. Gottes Licht passt sich der Wellenlänge unseres Lebens an. So ist Gott nicht nur bei den Fröhlichen, die fest im Leben stehen. Er wird den Leidenden ein Mit-Leidender und den Sorgenvollen ein Mit-Sorgender. So wird durch ihn Licht und Hoffnung spürbar, wenn wir es am nötigsten brauchen. Denn Gott bleibt immer der Gott, der die Welt überwunden hat.

    Clemens Grauer