An(ge)dacht: Seligkeit

Liebe Leserinnen und Leser!


Zimtstern, Schlüsselloch, Schwibbogen, Kerzenschein, Spekulatius, Glühwein... Geht es Ihnen auch so, dass solche Wörter auf Anhieb eine ganze Ladung von Erinnerungen wachrufen? Erinnerungen an den Duft frischgebackener Plätzchen oder die Spannung, bevor man an Heiligabend in das geschmückte Wohnzimmer mit dem Christbaum hinein durfte, an warm erleuchtete Fenster oder die bunten Stände auf dem Weihnachtsmarkt, voller Dinge, die niemand wirklich braucht. Das Gefühl von Frieden, Wärme und Geborgenheit.
Vielleicht gehen Sie bei solchen Wörtern aber auch eher auf Abstand. Vielleicht wäre es Ihnen lieber, Weihnachten wäre nicht so ein gefühlsbeladenes Fest, nicht so behängt mit Erwartungen, dass alles schön und friedlich zu sein hat. Vielleicht ist es Ihnen zu anstrengend, sich tage– oder gar wochenlang reinzuhängen, nur damit an Heiligabend für ein paar Stunden alle selig sind.
„Selig“ - das ist ja eigentlich auch so ein Weihnachtsstimmungswort. Es kommt eher in Weihnachtsliedern vor („O du fröhliche...“) als in unserem Dezembervorweihnachts- sprachgebrauch. Das liegt vielleicht daran, dass die Seligkeit in Schaufenstern und auf Weihnachtsmärkten nicht so offen herumliegt wie Bienenwachskerzen oder Porzellanengel. Aber ich glaube, dass in diesem Wörtchen „selig“ die Antwort auf all das enthalten ist, was die ganzen Weihnachtswörter in uns auslösen: Schaut man in die Bibel, dann stellt man fest, dass uns die vollendete Seligkeit eines Tages im Him- melreich, in Gottes neuer Welt erwarten wird. Dort ist dann alles so, wie es wirklich gut ist — das bedeutet:

wie Gott es will. Wenn wir zu Weihnachten versuchen, unserer Welt ein bisschen Seligkeit abzuringen, dann ist das also durchaus im Sinne des Erfinders. Immerhin ist mit dem Kind in der Krippe ein Stück vom Himmel auf die Erde gekommen.
Wie solche seligen Zustände aussehen, davon hatte der erwachsene Jesus klare Vor- stellungen: Der Himmel auf Erden ist dann, wenn Menschen ihr Herz ganz an Gott hängen und sich von ihm alles Entscheidende für ihr Leben schenken lassen. Das ist sicher nicht immer das, was auf unserer Weihnachtswunschliste steht, aber ganz sicher das, was wir brauchen , um selig zu sein: Liebe, die uns selbst gilt und nicht unserem Aussehen oder unseren Fähigkeiten. Frieden, der nicht krampfhaft bewahrt und mit Kaufhausmusik untermalt werden muss, sondern der von innen kommt, weil Gottes Liebe zufrieden macht. Gerechtigkeit, die wächst, weil jeder einen Blick für den anderen hat — und für das, was er zum Leben braucht.
Und das soll auf Erden möglich sein? - Ich glaube schon. All die schönen Weihnachts- stimmungswörter können so eine Seligkeit aber nicht herstellen. Sie können uns nur daran erinnern, dass wir sie brauchen. Zur Seligkeit hilft uns eigentlich nur eins: Wenn wir Kontakt mit dem Einzigen aufnehmen, der sie schenken kann: mit Gott. Wenn wir ihm regelmäßig unser Herz anvertrauen und ihn dann bitten, wie es in der letzten Strophe von „Ihr Kinderlein kommet“ heißt: „ Ach mache es * heilig und selig wie deins und mach es auf ewig mit deinem nur eins. “ ( * das Herz ) Vielleicht probieren Sie das in den verbleibenden Wochen bis Weihnachten ja hin und wieder mal aus.

Eine selige Adventszeit und frohe Weihnachten wünscht Ihnen

Signatur-Clemens