Angedacht: Nummer 1

Liebe Leserinnen und Leser!


es sind die letzten Meter, alle anderen liegen bereits hinter ihr — bis auf eine, die fast gleichauf ist . Die Muskeln verkrampfen sich langsam. Die kalte Luft schmerzt in den Lungen. Aber das ist alles nicht so wichtig. Sie macht weiter, schiebt sich Meter um Meter im Schnee voran. Ihr Blick ist dabei nur auf eins gerichtet: die rote Ziellinie: Nur eins zählt in diesem Moment: Sie will die erste sein, die diese Linie passiert. Sie will unbedingt diese Medaille gewinnen.
Wie sich das anfühlt, wenn es nur noch eine Sache gibt, die zählt, das wissen Sie bestimmt auch. Dazu braucht es nicht unbedingt olympische Erfahrungen. In manchen Momenten ist ja einfach klar, was das Allerwichtigste ist: zum Beispiel der Mensch, dem man gerade das Jawort fürs Leben gegeben hat; oder die neue Arbeitsstelle, bei der man gerade angefangen hat; oder das Kind, das gerade zur Welt gekommen ist.
Leider sind solche Momente eher selten. Meistens ist es ziemlich schwierig, zu entscheiden, was gerade die höchste Priorität hat und deshalb am meisten Aufmerksamkeit verdient. Sogar bei den olympischen Spielen ist das nicht so klar, wie es auf den ersten Blick aussehen mag: Geht es wirklich ums Gewinnen? Oder eher um den Gewinn, den einige wenige Leute mit diesem gewaltigen Sportzirkus machen?
Oder war es nicht eher das Dabeisein, das alles zählt...? Auch im normalen Alltag sind die Prioritäten nicht immer leicht zu klären. Wir leben in einer Zeit, in der schon für Zahnpasta in einem Ton Werbung gemacht wird, in dem früher Republiken ausgerufen wurden. Alles scheint gleich wichtig und glücksentscheidend zu sein. Wie soll man es da hinkriegen, zwischen all den bedeutenden Dingen sich selbst bzw. das Wesentliche nicht zu verlieren.
Ich glaube, das 1. Gebot ist dabei eine unersetzliche Hilfe. Es legt nämlich ein für allemal fest, wer die wichtigste Rolle in unserem Leben spielt: „Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“ Mit anderen Worten: „Ich bin der, der dir das Leben geschenkt hat und der jeden Tag für dich da ist. Ich bin der, der dich bedingungslos liebt und es gut mit dir meint. Du brauchst keine andere Nummer 1 neben mir.“
Mit diesem Gebot im Gepäck sind eigentlich alle Prioritäten in unserem Leben geklärt: Alles, was angeblich wichtig und bedeutsam ist, was man angeblich nicht verpassen darf oder erreichen muss—all das kann höchstens die Nummer 2 sein, wenn Gott das Allerwichtigste ist. All das darf nicht endgültig über mich bestimmen: über meine Zeit und meine Prioritäten.
Ich wünsche Ihnen viele entlastende und befreiende
       Erfahrungen mit dieser Erkenntnis.

Signatur-Clemens