An(ge)dacht: Bibel tut gut

Liebe Leserinnen und Leser!


anders als wir Menschen ist Gott fair. Als Verbraucher zucken wir oft nicht mit der Wimper, wenn wir hören, dass die großen Handelsketten den Bauern nur um die 20 Cent für einen Liter Milch zahlen. Sie brauchen aber 35 Cent, um kostendeckend zu produzieren. Als Verbraucher nehmen wir das einfach so hin. Geiz scheint immer noch geil zu sein. Hauptsache, wir kaufen billig ein. Was zählt, ist unser Geld. Wenn wir in den richtigen Branchen tätig sind, erstreiken wir uns auch einmal ein höheres Ein- kommen. Bauern können das nicht. Vermehrt müssen sie ihre Höfe schließen. Fair ist das alles zwar nicht. Es entspricht aber den Gesetzen der freien Marktwirtschaft, deren Normen wir solange akzeptieren, solange wir nicht selbst zu den Verlierern gehören.
Die Ökonomie Gottes ist eine andere. In der Bibel wird erzählt, dass Gott das Volk Israel auf seiner Wanderung durch die Wüste mit Wachteln und Manna speiste. Jedes Familienhaupt sollte nach der Zahl der Personen in seinem Zelt von dem Mannabrot sammeln. Gleich viel für jeden Einzelnen, unabhängig von Alter und Geschlecht. Was am nächsten Morgen noch übrig war, verfaulte. Keine Vorräte sollten sie sammeln, sondern Tag für Tag von dem leben, was Gott ihnen vom Himmel regnen ließ.
Diese Ökonomie Gottes stieß von Anfang an nicht auf Begeisterung. Auch in Israel bildete sich eine Gesellschaft heraus, in der es Reiche und Arme gab. Die Gesetze der Bibel sorgten jedoch für einen Ausgleich. In jedem 50. Jahr sollten die ursprünglichen Besitzverhältnisse wieder hergestellt werden.
Wer z.B. wegen Schulden einen Acker verkaufen musste, dessen Familie sollte ihn nach 50 Jahren wieder zurückbekommen. Eine Stunde Null gewissermaßen, in der jede Familie wieder exakt über denselben Grundbesitz verfügte. Das ist die Vorstellung von Fairness, die Gott hat.
Die meisten von uns werden das als des Guten zuviel empfi nden. Aber zwischen der Fairness Gottes und dem Motto: Geiz ist geil, gibt es viele Möglichkeiten. Für den Bauern ist es alles andere als geil, wenn er 20 Cent für den Liter Milch bekommt. Geil ist unser Geiz auch für die Näherin in Bangladesh nicht, die unsere Jeans und T-Shirts für einen Hungerlohn näht, oder für den chinesischen Arbeiter, der unter schlechten Arbeitsbedingungen Handys zusammenbaut.
Als Verbraucher haben wir Macht. Wir können uns im Netz problemlos darüber informieren, welche Molkereien den Bauern ordentliche Preise zahlen und diese etwas teureren Milchprodukte dann auch kaufen. Wir können Kleider von Firmen kaufen, die die Näherin in Bangladesh ordentlich bezahlen und ihr menschenwürdige Arbeitsbedingungen bieten. Ihr wäre mit 20 Cent mehr pro T-Shirt wirklich gedient, wir als Ver- braucher würden es wohl kaum merken. So wären wir von der göttlichen Ökonomie zwar immer noch meilenwert entfernt. Wir könnten aber jeden Morgen mit ein wenig mehr Selbstachtung in den Spiegel schauen - wissend, dass wir nicht nur nach unserem Geldbeutel fragen, sondern uns auch für die Lebensbedingungen derer interessieren, auf deren Arbeit wir angewiesen sind.

 

CL-Si